Entstehung der Pfarre Westkirchen


Auszug aus:

Kirchengeschichte der Stadt Warendorf (Band I.)

Vom Geheimen Justizrat Wilhelm Zuhorn

Mit Unterstützung der Stadt und des Kreises Warendorf
aus dem Nachlasse des Verfassers
herausgegeben
von
Gerichtsassessor Karl Zuhorn.

Veröffentlicht
von
Verlag SCHNELL (vormals J. Schnellsche Buchhandlung)
Warendorf 1918
 

Auszugsweise, unveränderte Abschrift
mit freundlicher Genehmigung
von
Verlag SCHNELL Buch & Druck GmbH & Co KG,

Oststraße 24, Warendorf
 

 


Siebentes Kapitel.

Die Pfarren Westeren-Ostenfelde (Westkirchen) und Osteren-Ostenfelde.
Im Osten der Pfarre Freckenhorst, zwischen dieser und der Pfarre Ostenfelde, nördlich von den Pfarren Altwarendorf und Beelen und südlich von der Pfarre Ennigerloh begrenzt, liegt die Pfarre Westkirchen mit den Bauerschaften Holtrup, Büttrup, Voßmar und Dorfbauerschaft. Auch ihr Bezirk hat einst ganz zu Warendorf gehört. Dasselbe gilt von dem Teile der sich östlich anschließenden, jetzt aus den Bauerschaften Köntrup, Vintrup und Dorfbauerschaft bestehenden Pfarre Ostenfelde, der den Osterwald umfaßt.
Der Name Westkirchen ist nicht der ursprüngliche, vielmehr wurde die Pfarre anfänglich Westeren-Ostenfelde genannt. Unter dieser Bezeichnung kommt sie urkundlich zuerst in einer undatierten Urkunde des Grafen Otto von Tecklenburg, der von 1271 - 1303 regierte, vor (a1). Die Urkunde muß nach dem Jahre 1284 abgefaßt sein, weil in ihr die Knappen Everhard und Bernhard von Barkhove, Söhne des Bernhard von Barkhove, auf ein Grundstück "Voghedesbrede" in der Pfarre Westeren-Ostenfelde verzichteten, das ihre Großeltern Benedikt und Abica von Freckenhorst mit Genehmigung ihres Sohnes Bernhard, des Vaters der Gebrüder von Barkhove, früher - olim - dem Pfarrer Heinrich von Emeshues übertragen hätten. Die diesbezügliche Verkaufsurkunde ihrer Großeltern ist aber vom 5. Februar 1284 und von dem Stadtrichter Hermann von Linen zu Warendorf aufgenommen (a2). In dieser letzten Urkunde wird die Pfarre noch nicht als Westeren-Ostenvelde, sondern nur als "citerior Ostenvelde", also, von Warendorf aus gerechnet, als "das nähergelegene Ostenfelde" bezeichnet. Diese Bezeichnungen der Pfarre als citerior Ostenvelde, Westeren-Ostenvelde, setzen das Bestehen einer anderen Pfarre Ostenfelde, ulterior Ostenvelde oder Osteren-Ostenvelde, voraus. In einer Urkunde vom Jahre 1276, worin der Ritter Heinrich Schröder zu Ahlen sein Gogericht dem Bischof von Münster übertrug, finden sich denn auch zwei Ostenfelde erwähnt. Es werden dort als Pfarren, über die sich das Gogericht  erstreckte,  außer Ahlen, Beckehem, Velhern, Ennigelo, Vorhelme, Walstede, Hyesin, Doleberge, Unctorpe, Lipborg und der Hälfte der Pfarre Sünninghausen noch Ostenvelde ac (und) Ostenvelde genannt (a3). Und  in der Urkunde vom Jahre 1217, in der Bischof Otto I. dem Propste zu St. Martini in Münster die von seinem Vorgänger Bischof Hermann II. vorgenommene Schenkung von verschiedenen Archidiakonaten bestätigte (b1), wird auch das Archidiakonat über die Kirche zu Osteren-Ostenvelde unter den geschenkten Archidiakonaten genannt. Das es sich hier um das jetzige Ostenfelde handelte, kann nicht zweifelhaft sein, da der Probst von Martini stets Archidiakon daselbst gewesen ist. Zu Zeiten des Bischofs Hermanns II. (1174 - 1203) bestanden also schon zwei Pfarren Ostenfelde, Oesteren- und Westeren-Ostenvelde. 


Ursprünglich nur eine Pfarre Ostenfelde.
Diese bildeten ursprünglich nur eine Pfarre Ostenfelde, die schon im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt wird. 1077 schenkte Bischof Hermann I. dem Stift St. Mauritz vor Münster eine Abgabe von 4 ½ Schil. Aus der Pfarre Ostenfelde und im selben Jahre dem Domkapitel den von ihm lehnrührigen Haupthof in Ostenfelde, den ihm sein Lehnsmann und Ministerial Sequin und dessen Frau Bertradis zu diesem Zwecke übertragen hatten (b2). Sequin wird in anderen Urkunden von Ostenfelde genannt (b3). Er war hiernach Mitglied des in Ostenfelde ansässigen Geschlechts von Ostenfelde und bewohnte wohl den Hof. Auf dem Grunde dieses Hofes muß die Pfarrkirche von einem Bischofe von Münster erbaut und dotiert sein (b4), da diesem das unbeschränkte Patronatsrecht über die Kirche zustand. Wann die Gründung erfolgte, steht nicht fest; jedoch mag sie längere Zeit vor dem Übergang des Haupthofes an das Domkapitel bestanden haben (b5). 1088 mußte schon der Hof Biginkhof, jetzt in der Bauerschaft Köntrup, Kirchspiels Ostenfelde, von alters her - es antiquo servatum - 12 Scheffel Gerste an die Pfarrkirche entrichten (b6). Ihre Entstehung mag daher an das zehnte Jahrhundert heranreichen. Ihren hohen Alter entspricht auch das Patrozinium der hl. Jungfrau und Marthyrin Margaretha (b7).


Teilung dieser Pfarre. - Gründung von Westeren-Ostenfelde.
Wann die Teilung in Osteren- und Westeren-Ostenvelde erfolgte, ist ebenfalls nicht festzustellen. Sie wird unter dem Bischof Hermann II. erfolgt sein, vielleicht 1193, wo er die Archidiakonatsverhältnisse in seinem Sprengel neuordnete. Damals ist wahrscheinlich das Archidiakonat über Oesteren-Ostenvelde dem Probste zu Marini und das Archidiakonat über das abgezweigte Westeren-Ostenvelde dem Probste zu St. Mauritz vor Münster, der demnächst als Archidiakon erscheint, übertragen. Die Pfarrkirche in Westeren-Ostenvelde ist keine bischöfliche Stiftung, sie ist vielmehr vom Kloster Freckenhorst gegründet. Sie ist ihrer Lage nach auf dem Grunde des heute noch bestehenden, östlich der Kirche liegenden Hofe Suthof, jetzt Schulze Suthof, erbaut. Dieser Hof kann seinen Namen also nicht von seiner Lage zu Kirche erhalten haben. Es ist vielmehr anzunehmen, daß er wegen seiner Lage zu dem eingegangenen alten Haupthofe Sile - später Schulze zum Ziel - von dem er wahrscheinlich abgezweigt wurde, so benannt ist. Die Sohlstätte des Haupthofes Sile lag nördlich nicht weit vom Suthof. Beide Höfe standen im Eigentum des Klosters Freckenhorst, das den Haupthof Sile und damit auch den abgezweigten Suthof von seinem Stifter, dem Edelherren Everword, überkommen haben muß, da ein anderer Erwerb nicht nachweisbar ist. Als Amtshof mit eigenem Maß - mensura de Sile - kommt der Hof Sile im goldenen Buche von Freckenhorst vor (c1). 1362 war der Amtshof tom Zyle in Händen des Edelvogts, des Edelherrn Bernard von der Lippe, von dem ihn die Äbtissin Mechtild von dem Berge zurückkaufte und den sie von der Vogtei befreite (c2). Das Kloster Freckenhorst wird die Pfarrkirche auf seinem Hofe Sile oder dem abgezweigten Hofe Suthof errichtet und dotiert haben, zumal ihm außer diesen Höfen in der dortigen Gegend noch mehrere weitere bedeutende Besitzungen, wie die Güter Dieck und Brinke (c3). zu eigen waren, die später freilich meist zu Lehn ausgetan und dadurch dem Kloster entfremdet wurden. Auch den Suthof vergab das Kloster zu Lehn. Er befand sich demnächst mit dem Patronatsrechte und der Vogtei über die Kirche in Händen der Freckenhorster Ministerialen von Barkhove. Sie trugen ihn aber nicht vom Kloster, sondern von den Grafen von der Mark zu Lehn (c4). Hiernach würde das Kloster zunächst diese belehnt haben, und würden die von Barkhove nur Unterlehnsmänner gewesen sein. Knappe Everhard von Barkhove verkaufte 1332 den Hof mit den erwähnten Rechten dem Ritter Johann von Velsen (c5). Von den von Velsen gelangte er wahrscheinlich durch Erbschaft an das Warendorfer ritterbürtige Geschlecht Rensing (c6). Heinrich Rensing zu Münster, ein Sohn des Johan Rensing zu Warendorf, muß ihn Ende des 15. Jahrhunderts an die von Korff-Schmising zu Harkotter veräußert haben, nachdem er  ihn 1467 (d1) mit seinem Miteigentümer, dem Knappen Johan Casmann, für 50 RH. G. G. dem Hermann Korf gt. Smisinck verpfändet hatte, und zwar mit der Bestimmung, daß er dem Gläubiger bei Nichtzahlung der Schuld als Eigentum verfallen sein sollte, daß aber in diesem Falle der Gläubiger noch 100 Rh. G. G. herauszahlen müsse. Seit dieser Zeit befinden sich die von Korff-Schmising im Lehnbesitze des Hofes und der anklebenden Rechte. Jahrhundertelang alternierte das Kollationsrecht zur Pfarre zwischen der Äbtissin zu Freckenhorst als Lehnsherrin und den Lehnsinhabern. Noch 1513 erkannten die Äbtissin Maria Gräfin von Tecklenburg und der damalige Lehnsmann Jost Korf gegenseitig ihre desfallsigen Rechte an (d2). Die Nachfolgerin der Maria von Tecklenburg, Äbtissin Agnes Gräfin von Limburg-Sthyrum, nahm jedoch das alleinige Kollationsrecht in Anspruch. In dem Prozesse, der 1542 zwischen den von beiden Seiten präsentierten Geistlichen entstand, wurde dieses rechtskräftig anerkannt. Seitdem ist die Freckenhorster Äbtissin im Besitze des freien Patronatsrechts über die Kirche in Westkirchen geblieben (d3).


Der Name Westkirchen.
Der Name Westkirchen für Westeren-Ostenfelde kommt erst spät in den Urkunden vor. Zuerst findet er sich in einer Urkunde vom Jahre 1337, in der der KnappeGottfried von Benctorpe der Kirche in Ostenfelde tor Weskerken und ihrem Patron St. Laurentius eine Kornrente verkaufte (d4). Im Laufe der Zeit bürgerte sich aber unter Verdrängung von Westeren-Ostenfelde für die Pfarre die Bezeichnung Westkirchen allgemein ein. Patron der Kirche war stets der hl. Diakon Laurentius, der wahrscheinlich von der Alten Kirche zu Warendorf adoptiert wurde.


Der Pfarrbezirk.
Bei Teilung der Stammpfarre Ostenfelde übernahm die neue Pfarre den westlichen Teil, der sich wohl mit der heutigen Dorfbauerschaft decken dürfte. Den weiteren und zwar den größeren Teil ihres Pfarrbezirks wird sie von Altwarendorf und Freckenhorst erhalten haben. Daß sie Gebiet von Freckenhorst und damit indirekt von der alten Mutterpfarre Warendorf bekam, ist urkundlich bezeugt. Der große Hof Westhues in der Bauerschaft Büttrup nämlich gehörte nach dem ältesten Marienfelder Heberegister (d5) zu Ulinctorpe - Üntrup -, einer Unterbauerschaft der Freckenhorster Bauerschaft Honhorst: "in Ulinctorpe Westhuseshove" - Parrochia Frechenhorst: "Westhues in Bottincdorpe in parrochia Westkerken". Das Warendorf Gogericht, das, wie wir bereits gesehen haben, sich über die Bauerschaft Honhorst und damit einst auch über den Hof Westhues erstreckte, hatte sich auch sein Recht auf die Gefälle gewahrt, während der Hof seiner Jurisdiktion entzogen und an das fürstliche Gogericht Oelde gekommen war. Westhues entrichtete stets das Gografenkorn mit einem Scheffel Gerste jedes dritte Jahr und außerdem eine Geldabgabe von 10 Pfg (e1). 


Rechte des Amtshauses und des Amtshofes im Westerwald und Ostenfelde.
Jedoch noch weitere Gebiete werden von Warendorf stammen. Die großen Marken Westerwald und Osterwald, die einst wohl eine zusammenhängende Mark bildeten, erstreckten sich über das ganze Kirchspiel Westkirchen. Den größten westlichen Teil nahm der Westerwald ein, der sich auch üben den anstoßenden östlichen Teil des Kirchspiels Freckenhorst hinzog. Über den kleineren östlichen Teil erstreckte sich der Osterwald, dessen Hauptkompler aber in der Pfarre Ostenfelde lag. Kleinere Absplisse bestanden in Weide- und Holzgründen; jedoch war, nach dem Namen zu schließen, ursprünglich der Wald vorherrschend. Sowohl der Westerwald wie der Osterwald fielen ganz in die Machtsphäre des fürstlichen Amtshofes zu Warendorf, später des Amtshauses zu Sassenberg, das, wie wir gesehen haben, seine Rechte von dem Amtshofe überkommen hatte. Dem Amtshause stand das Holzgrafen- oder Markenrichteramt mit seinen vielen Rechten über beide Marken zu (e2). Über den Osterwald hatte zwar der Bischof das Holzgrafenamt den Besitzern der von ihm lehnrührigen Burg Nienborg zu Ostenfelde zu Lehn gegeben (e3). Das Holzgrafenamt im Westerwald nahm jedoch der fürstliche Droste vom Amtshause Sassenberg aus wahr. Zeitweise freilich war auch dieses zu Lehn verliehen; so hatte 1371 Bischof Florenz dem Bernard von Steynbeck das Holzgericht im Westerwald als Burglehn zu Sassenberg gegeben (e4). Der Holzgraf hatte aus der Mark Westerwald jährlich einen Holzbecher, "witten Becker", eine Quarte Wein, sowie das sämtliche zum Amtshause erforderliche Bauholz, "harden Holtes tom timmern", und Brennholz, "weken Holtes tor vürung", zu fordern. Außerdem konnte er so viele Schweine zur Mast in den Wald treiben, wie er auf dem Amtshause fütterte (e5). Auch hatte das Amtshaus im Westerwalde am Helkenberge im Kirchspiel Westkirchen einen Sundern, "die Sassenberger Breede", der jährlich 7 Rthlr. Pacht einbrachte. Ferner besaß es im Westerwalde, soweit er im Kirchspiel Freckenhorst lag, die volle Jagdgerechtigkeit. Im Osterwald waren seine Rechte auf den Bezug von 100 Fuder Brennholz beschränkt (f1).

Der fürstliche Amtshof in Warendorf hatte sich im Westerwalde bedeutende Rechte gewahrt. Außeer einem großen Sundern, dem späteren Sunderkotten, im Kirchspiel Freckenhorst, besaß er das Weiderecht für sämtliches auf dem Hofe gehaltene Vieh, überhaupt die Rechte eines vollberechtigten Markgenossen (f2). Dazu kam seine Jagdgerechtigkeit über den ganzen Westerwald in den Kirchspielen Freckenhorst und Westkirchen (f3). Im Osterwald hatte er in späterer Zeit, abgesehen von einem kleinen Grenzdistrikt, auf dem er das Jagdrecht in Anspruch nahm, und dem Rechte, bei vorfallendem Mühlenbau vom Holzgrafen 4 Stück Bauholz aus dem Osterwald zu verlangen, Rechte nicht mehr. 


Sonstige Rechte im Kirchspiel Westkirchen.
Das Sassenberger Amtshaus hatte außer den vorstehend erwähnten Rechten im Oster- und Westerwald noch manche sonstige Gefälle aus dem Kirchespiel Westkirchen. Die fürstlichen eigenhörigen Kolonen Brüggemann, Hartmann, Holtgreve und Braedt, die einst ihre Abgaben an den Warendorfer Amtshof entrichtet hatten, in den der später in die Eigenhörigkeit gedrängte Hof Braedt ursprünglich hofhörig gewesen war, mußten sie damnächst dem Amtshause leisten. Der Abgaben waren nicht wenige. Brüggemann hatte 1 Malter 6 Schef. Hafer, 4 Schef. Erbsen, 3 Schef. Bohnen War. M., 9 Schil. Winterpacht und jedes zweite Jahr ein Schatzrind zu geben. Hartmann entrichtete an Erbsen 4 Schef. Und an Bohnen 3 Schef. W. M., 1 fettes Schwein, 1 Mark und 3 Schil. Winterpacht und 2 Postulat-Gulden, je zu 12 Schil., Kuhschatz. Braedt mußte 1 Malter Gerste, 1 Malter Hafer W. M., 6 ½ Rthlr. Dienstgeld, 1 Rthlr. Upholtengeld, 6 Schil. Düngelgeld, 1 feistes Schwein und 1 Rind geben. Der Inhaber des fürstlichen Amtshofs zog bei kinderlosem Absterben des Wehrfesters (Kolonen) auf dem Braedtschen Hofe den Sterbfall. Die an das Amtshaus eigenhörigen Kötter Sandkuhle, Winterkamp, Hanewinkel und Kramer zahlten an Dienstgeld je 21 Schil. Oder ¾ Rthlr. Der an das Amtshaus eigenhörige Kötter Tonnis tor Kulen im Westerwad hatte dem Drosten im Westerwalde die Schweine zu hüten. Auch der freie Hof Hündelinghoff in Westkirchen mußte dem Amtshause 2 Malter 6 Schef. Hafer W. M., 1 Rind und 1 Huhn, 6 Schil. Düngelgeld und 1 Rthlr. Upholtengeld jährlich entrichten (g1).

Auch der fürstliche Amts- und Mühlenhof zu Warendorf  hatte im Kirchspiel Westkirchen allerlei Rechte bewahrt (g2). Der Kolon Brüggemann mußte ihm bei vorkommendem Mühlenbau der fürstlichen Emsmühle 1 Stück Bauholz liefern. Der Kolon Hartmann hatte ebenfalls zum Mühlenbau 1 Stück Bauholz und jährlich 1 Fuder Deichholz zu geben. Der Kolon Braedt mußte ihm jährlich 2 Fuder Deichholz und bei vorkommendem Mühlenbau 1 Stück Bauholz liefern. Außerdem zog der Inhaber des Amtshofs bei kinderlosem Absterben des Wehrfesters das Heergeweide und bei kinderlosem Absterben der Frau das Gerade. Auch der freie Hof Hündelinghoff mußte bei vorkommendem Mühlenbau 1 Stück Bauholz liefern. Der an das Amtshaus eigenhörige Kolon Holtgreve zu Voßmar hatte jährlich 4 Fuder Deichholz zu liefern und jedes siebente Jahr ein Pferd zum Abholen der Mühlsteine für die Emsmühle zu stellen. Jedoch konnte er die letztere Verpflichtung vorkommendenfalls mit 2 Schil. ablösen. Auch waren die Eingesessenen von Westkirchen Mahlgenossen der fürstlichen Emsmühle. Die daselbst wohnenden Kolonen, die zur Lieferung des Deichholzes verpflichtet waren, hatten dagegen das Recht, vor anderen zuerst ihr Korn gemahlen zu erhalten. 


Sonstige Rechte im Kirchspiel Ostenfelde.
Im Kirchspiel Ostenfelde hatte das Amtshaus, abgesehen von den ihm jährlich zu liefernden, vorerwähnten 100 Fuder aus dem Osterwald, erhebliche Rechte nicht. Er hatte dort nur den eigenhörigen Hof Leckebrock, der aber lange Zeit wüst lag und wenig oder gar nichts aufbrachte (g3). Auch der fürstliche Amtshof zu Warendorf besaß in Ostenfelde nur die erwähnten Rechte im Osterwald; jedoch waren die Eingesessenen von Ostenfelde auch Mahlgenossen der fürstlichen Emsmühle (g4).  


Zugehörigkeit zur Freigrafschaft Desede.
Westkirchen und Ostenfelde gehörten zur fürstlichen Freigrafschaft Desede. Sie waren wohl ursprünglich an den vor dem Hofe des Kolons Üntrup zu Honhorst, Kirchspiels Freckenhorst, also auf altem Warendorfer Pfarrgebiet, liegenden Freistuhl (g5) dingpflichtig. Dieser muß später eingegangen sein, da er 1571 nicht mehr existierte (g6).

Alle diese Beziehungen der Pfarrbezirke Ostenfelde und Westkirchen zu Warendorf dürften den Schluß rechtfertigen, daß einst vor Entstehung der dortigen Pfarrkirchen der Pfarrbezirk von Westkirchen ganz und der Pfarrbezirk von Ostenfelde, soweit der Osterwald in Betracht kam, auch in kirchlicher Beziehung auf Warendorf angewiesen waren und zur Alten Pfarrkirche daselbst gehörten, mit der Maßgabe freilich, daß ein Teil des Westkirchener Pfarrbezirks vorübergehend, wie wir gesehen haben, zu Freckenhorst gehörte (h1). 

 

 

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Oststraße 24, Warendorf

 


Quellenverzeichnis

(a1) W.U.B. III  Nr. 1269.   (a2) W.U.B. III  Nr. 1268.   (a3) W.U.B. III  Nr. 995.   (b1) W.U.B. III  Nr. 111.   (b2) Erhard, Codex Nr. 387, 388.   (b3) Erhard, a. a. D. Nr. 355.   (b4) Die heutige Kirche von Ostenfelde ist im vorigen Jahrhundert [vor 1900] außerhalb des Dorfes erbaut. Die alte Kirche stand inmitten des Ortes.   (b5) Tibus, Gründungsgeschichte S.534.   (b6) Erhard a. a. D. Nr. 381.   (b7) Tibus a. a. D. S.548, 535.   (c1) Friedländer a. a. D. S.73, 86.   (c2) Manuskript "Äbtissinnen" im Pfarrarchiv Freckenhorst. Schwieters, Äbtissinnen S.95.   (c3) Schwieters, Die alten Marken Wester- und Osterwald a. a. D. S.2.   (c4) Schwieters, Äbtissinnen S.95 Anmerk. 4.   (c5) Nichtstaatliche Archive, Kreis Warendorf Nr.8 S.99.   (c6) Das Geschlecht (Rensing, Rensinck) ist in Warendorf im Mannesstamme ausgestorben. Die jetzt noch in Warendorf existierende Familie Rensing ist im 18.Jahrhundert aus Ochtrup eingewandert.   (d1) Urkunde im Archiv des Freiherrn von Ketteler zu Harkotten (vom Tage der Geburt Johannes des Täufers 24. VI.).   (d2) Schwieters a. a. D. S.95 Anm. 4.   (d3) Schwieters a. a. D.   (d4) Nichtstaatliche Archive, Kreis Warendorf S.238 Nr.1.   (d5) Darpe, Traditiones Bd. V S.209.   (e1) Verkaufsurkunde des Hofes Westhues vom 27.XII.1613. Manuskript im früheren Archiv des Amts- und Mühlenhofs zu Warendorf.   (e2) Schwieters, Die alten Marken a. a. D. S.2 und 6.   (e3) Schwieters, a. a. D. S.6. Brüning, Mittelalterliche Burganlagen im Kreise Warendorf. Warendorfer Blätter Jahrgang 1903 S.25 und 41.   (e4) Kindlinger, Manuskripte Bd.4 S.38. Staatsarchiv Münster.   (e5) Schwieters a. a. D. S.6.   (f1) Rechnungen des Amtshofes Sassenberg a. a. D.   (f2) Zuhorn, Pertinenzien a. a. D.   (f3) Schnadjagdprotokolle des Warendorfer Amts- und Mühlenhofes, Manuskripte a.a.D.   (g1) Rechnungen des Amtshauses Sassenberg a. a. D.   (g2) Rulle Warend. Müllenhofs a. a. D.   (g3) Rechnungen des Amtshauses Sassenberg a. a. D.   (g4) Schreiben des Inhabers des fürstlichen Mühlenhofs vom 11.November 1551. Früheres Mühlenhofsarchiv a. a. D.   (g5) Brüning, Eine alte Straße im Kreise Warendof, Warendorfer Blätter 1902 S.9. Schwieters-Brüning, Die Bauernhöfe der Gemeinde Freckenhorst, Warendorfer Blätter 1910 S.40.   (g6) Philippi, Bericht a. a. D.   (h1) Anderer Ansicht ist Tibus, Gründungsgeschichte S.533 ff., der annimmt, daß der Bezirk der alten Pfarre Ostenfelde von Oelde abgezweigt und Westkirchen aus Teilen von Ostenfelde und Freckenhorst gebildet ist.