Wann wurde Westkirchen gegründet?

Update 18.04.2004

Diese Frage läßt sich gar nicht so einfach beantworten, da das Datum einer evtl. vorhandenen Gründungsurkunde im Allgemeinen nichts über den Zusammenschluß einer Höfe- oder Häusergemeinschaft aussagt. Bei den Nachforschungen in diversen Archiven, alten Berichten und Veröffentlichungen, lassen sich folgende Eckdaten und Ereignisse, die zur Gründungsfindung beitragen können, auflisten. Demzufolge muß man strenggenommen unterscheiden zwischen der Gründung der Gemeinschaft Westeren-Ostenvelde und der eigentlichen, rechtlich anerkannten Gründung der Pfarre Westkerken, die dann später in die Hochdeutsche Bezeichnung Westkirchen umbenannt wurde.

Wie wir bislang feststellen konnten wurde die Gemeinschaft Westeren-Ostenvelde um das Jahr 1193  aus Teilen von Freckenhorst, Ostenfelde, und Warendorf (Westerwald und Osterwald) gebildet. Der Bezug auf das Jahr 1193 gilt nach Zuhorn (Kirchengeschichte der Stadt Warendorf) als sehr wahrscheinlich, da in diesem Jahr der Bischof Hermann II. die Archidiakonatsverhältnisse in seinem Sprengel neu ordnete. Diese Annahme unterstützt auch eine Urkunde aus dem Jahre 1217, in der Bischof Otto I. dem Propste zu St. Martini in Münster die von seinem Vorgänger Bischof Hermann II. vorgenommene Schenkung von verschiedenen Archidiakonaten bestätigte (W.U.B. III Nr.111). Hier wird auch das Archidiakonat über die Kirche zu Oesteren-Ostenvelde unter den geschenkten Archidiakonaten genannt. Hierbei dürfte es sich zweifelsfrei um das jetzige Ostenfelde handel, da der Probst von Martini stets Archidiakon von Ostenfelde gewesen ist. Somit bestanden also zu Zeiten des Bischofs Hermann II. (1174 - 1203) bereits zwei Pfarren Ostenfelde, Oesteren- und Westeren-Ostenvelde.

Die Namensbezeichnung Westeren-Ostenvelde taucht erstmalig in einer Urkunde aus dem Jahre 1284 und in einer weiteren Urkunde aus der Zeit zwischen 1284 und 1294 auf (WUB III Nr.1269). Diese Urkunden, welche erst im Jahre 2000 wiedergefunden wurden und noch mit Originalsiegeln behaftet sind, werden im Staatsarchiv Münster aufbewahrt. Sie sind mittlerweile so stark verwittert, daß man sie kaum anfassen darf, ohne sie weiter zu beschädigen. Das Dorfarchiv hat von diesen Urkunden Reproduktionen anfertingen lassen.
 

1. Urkunde aus dem Jahre 1284

In dieser Urkunde geht es um den Verkauf eines Grundstücks im Kspl. Ostenfelde [Western-Ostenvelde] durch Benedict von Freckenhorst am 5. Februar 1284.
 

Ego Hermannus de Linen iudex oppidanorum in Warendorp omnibus presentia visuris notum esse cupio, quod constituti coram me Benedictus de Freckenhorst et Abica uxor ipsius recognoverunt et publice confessi sunt, se quosdam agros in parochia citerioris Ostenvelde sitos, Vogedesbrede dictos. Henrico plebano ecclesie ac Hermanno patri suo dicto de Emeshus civi in Warendorp pro certa pecunie quantitate recionabiliter dolo et fraude excluso (sic!) vendidisse, voluntate et consensu Bernardi nati ipsorum ac aliorum heredum super hoc liberaliter accedente, et in figura iudicii predictos agros eidem Henrico plebano predicto et Hermanno patri suo resignaverunt presentibus scabinis quorum nomina sunt hec: Everhardus de Honhorst, Johannes Butermann, Henricus Bruninc, Henricus Ernestinc; item Hermanno de Velteten [Velsen], Syfrido de Warendorp mulitibus; Vulfhardo advocato, Arnoldo de Dike de Ostenvelde, Ecberto de Linen et aliis multis fide dignis, relinquentes et assignantes ipsis omne ius quod eisdem in predictis agris competebat. Et ad maiorem premissorum certitudinem hanc litteram conscribi feci et in evidens signum testimonii sigillo civium de Warendorp communiri. Datum anno Domini M C C L X X X quarto ipso die Agathe virginis. 
(Quelle: WUB Band III Seite 665 Nr. 1268)

 
 

Vergrößertes Siegel dieser Urkunde

2. Urkunde um das Jahr 1284

In dieser Urkunde bezeugt Graf Otto von Tecklenburg, daß Everhard und Bernhard von Barchove, Enkel Benedicts von Freckenhorst, erklärt hätten, an den Grundstücken kein Recht zu haben.
 
 
 

Das Siegel, drei Seeblätter auf einem Schilde zeigend, hat gelitten, so daß von der Umschrift nur wenig zu lesen ist.

Nos Otto comes in Thekeneborch universis presentia visuris et audituris notum facimus et publice protestamur, quod Everhardus et Bernhardus famuli fratres dicti de Barchove in nostra presentia consituti recognoverunt publice et aperte, se nichil iuris habere aut umquam habuisse in agris, qui dicuntur Voghedesbrede, sitis in parrochia Westeren-Ostenvelde, quos olim Benedictus de Vrekenhorst avus et Abica avia eorundem fratrum cum pleno consensu Bernhardi patris ipsorum Hinrico plebano de Ostenvelde rite et rationabiliter vendiderunt et publice resignaverunt, prout in quibusdam aliis prioribus instrumentis super ___ (aliis ?) confectis plenius continetur. In cuius rei evidens testimonium sigillum nostrum presentibus est appensum. Datum et actum in Thekeneborch presentibus: Hugone de Horne, Hinrico de Stricket, Alexandro de Langen, Hermanno de Bramesche, Johanne de Langen, Ludolpho Haken militibus; Johanne Keseling, Johanne filio Menberti, Gerhardo de Winkele, Hinrico Unghenade, Hinrico de Ascheberghe, Hinrico de Vullen, Hinrico de Ruschere famulis et multis aliis fide dignis. 
(Quelle: WUB Band III Seite 665 Nr. 1269)

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Der heutige Name Westkirchen findet sich zuerst in einer Urkunde von 1337 (Inventare Kr.Warendorf, S. 238 Nr.1).

Inhalt dieser Urkunde:
Am 25.5.1337 verkauft der Knappe Godfridus von Benctrope mit Zustimmung seiner Frau Mechthildis, seiner Tochter Alheydis und deren Gatten Tiderici Ruwen, der Kirche in Ostenvelde tor Weskerken und dem Patron Laurencius derselben für die Beleuchtung eine am Tage Remigii fällige Rente von 6 Scheffel Hafer nach Warendorfer Maß ex domo Levoldi to Clybolte (Kleibold) im gleichen Kirchspiel für 2 Mark Münsterscher Pfennige. Zeugen: Hinricus Kleckeyn, viceplebanus ecclesie prefate; Hermannus de Dyke; Federicus de Brincke, famuli; Bernhardus to Cleybolte, Johannes Tellekoren (Tilkorn), Hinricus Holtgreven, Tydericus de Voshem (Voßkötter), scultetus de Zuthove, schultetus de Zyle (Zumziel, ehemaliger Freckenhorster Amtshof), Requinus de Holtrope (Holtrup), predicte ecclesie consiliarii. (Inventare Kr.Warendorf, S. 238 Nr.1)

Quelle:
Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Provinz Westfalen. Inventare der nichtstaatlichen Archive der Provinz Westfalen. Band II: Regierungsbezirk Münster. Heft 2: Kreis Warendorf (Pfarre Westkirchen); (Abschrift des 15.Jhdts;erwähnt Warend. Bl. V,2; VI, 5. Tibus S.1239)

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Die großen Marken Westerwald und Osterwadl erstreckten sich über das ganze Kirchspiel. Der bischöfliche Amtshof Warendorf, später der Sassenberger Droste hatte das Holzgrafen und Marenrichteramt sowie das Jagd- und Weiderecht im ganzen Westerwald inne. 1371 gab Bischof Florenz von Münster das Holzgrafenamt dem Bernhard v. Steinbeck als Sassenberger Burglehen (StAM, Mscr IV S. 38; Druck Nniesert, WUB II Nr. 78 S. 221 f.). Der Holzgraf hatte jährlich aus der Mark zu beanspruchen: einen Holzbecher ("witten Becker"), ein Viertel Wein, das zum Amtshaus erforderliche Bauholz ("hardenholtes tom timmern") und das Brennholz ("weken holtes tor vürung"). Die Eingesessenen von Westkirchen waren Mahlgenossen der fürstlichen Emsmühle in Warendorf.

Ursprünglich gehörte Westkirchen zum Gogericht Warendorf, kam aber später (im Jahre 1232?, vgl. WUB III Nr. 296) zum Gogericht Oelde . Die freien Bauern des Kirchspiels (Braedt, Brüggemann, Hartmann, Hindelinghof, Holtgreve) waren an dem Freistuhl Hohenhorst, Ksp. Freckenhorst (Freigrafschaft Oesede) dingpflichtig (vgl. WUB III Nr. 204). Im 16. Jahrhundert gab es im Kirchspiel Westkirchen keine freien Bauern mehr. [Bei dem Wechsel des Gogerichtes wird nicht der Name Westkirchen genannt]

Anmerkung:
Haus Brinke, Freckenhorster Stiftslehen. Erster nachweisbarer Lehnsträger ein Ritter von Brinke , 1249
Haus Diek, Freckenhorster Stiftslehen. Erster nachweisbarer Lehnsträger Conrad de Dike, 1276

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